Geschichte Teil 1 - MAGIRUS DEUTZ

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Geschichte Teil 1

Magirus Deutz
MAGIRUS DEUTZ -  die Anfänge
      Conrad   Dietrich Magirus

Conrad Dietrich Magirus wurde am 26.September 1824 in Ulm   geboren. Sein Ahnherr Johannes Magirus , der seinen Namen Koch   nach damaliger Gelehrtensitte in "Magirus" umgeändert hat (   Der Name „Magirus“ leitet sich vom altgriechischen Wort „Mageiros“   ab, das „Koch“ heißt. Diesen Namen ergriff der Theologe Johannes   Koch - dann Johannes Magirus - im 16. Jahrhundert, als   griechisch klingende Namen unter den Gelehrten der Zeit Mode   waren. ) ,   wurde 1537 geboren.
C.   D. Magirus war in seiner Lebensführung ein bescheidener ,   sittenstrenger , wohlwollender Menschenfreund von regem Geiste   und mit viel Sinn für öffentliche Angelegenheiten. Eine andere   sehr wesentliche Seite seiner Persönlichkeit war seine grosse   Begabung , sein Erfindergenie auf technischem und mechanischem   Gebiete.
Die   erste Produktionsstätte der jungen Firma war im Erdgeschoss der   1875 erstellten Villa von C. D. Magirus , an der Promenade 17 in   Ulm. Als sechs Jahre später ein Nebengebäude errichtet wurde ,   bekam Magirus Schwierigkeiten mit der Baubehörde , die das   Wohngebiet nicht durch einen Industriebetrieb abgewertet haben   wollte. Montagearbeiten wurden geduldet , das Produzieren der   Teile mittels Schmiede und Giesserei wurde jedoch verboten.
  1885 konnte ein 4'095 m2    grosses Grundstück an der Schillerstrasse gekauft werden , eine   neue Fabrik entstand , das Werk 1.
Am   26.Juni 1895 starb Conrad Dietrich Magirus - in Ulm , aber kurz   zuvor hatte er noch Pläne , mit denen er seine Angehörigen in   Erstaunen versetzte , mit seinen Worten " Ihr könnt sagen , was   Ihr wollt. Wir müssen die ersten sein , die unsere Feuerspritzen   und Leitern auf diese Stinkkästen montieren. Wir dürfen nicht   die letzten sein. "    
Hermann Magirus - er wurde am 14.Juli 1863 in Ulm als   zweitjüngstes Kind von Conrad Dietrich und Pauline Magirus   geboren. Er fasste den Entschluss Lastwagen zu bauen und die   Fabrik in eine Fahrzeugfabrik umzuwandeln.
" In   Süddeutschland , an der Autobahn zwischen Stuttgart und München   , liegt die 1100 Jahre alte Stadt Ulm mit dem bekannten   Lastkraftwagenwerk der Klöckner - Humboldt - Deutz AG " - so   begann 1955 ein Werksfilm über die Allrad - Lastwagen Merkur ,   Jupiter und Uranus.
Am   10. März 1866 liess sich Magirus in das Ulmer Handelsregister   als Kaufmann eintragen , die " Feuerwehr - Requisiten - Fabrik   " von C. D. Magirus aus Ulm an der Donau war gegründet.
Magirus war sehr sozial eingestellt und organisierte in seiner   Heimatstadt Ulm das Feuerlösch- und Rettungswesen komplett neu.   Die städtische Pflichtfeuerwehr wurde abgeschafft und durch eine   freiwillige Feuerwehr ersetzt. Der Erfolg blieb nicht aus , die   Stadt übertrug ihm die Leitung und ernannte ihn 1853 zum   Kommandanten der Feuerwehr Ulm.  
Von der   Feuerwehr - Requisiten - Fabrik zum Lastkraftwagenwerk
Der   erste Magirus Lastwagen Konstrukteur , Heinrich Buschmann wurde   am 12.August 1886 als Sohn eines Instrumentenbauers in Hamburg   geboren. Der Grossvater von Heinrich Buschmann war der Erfinder   der Mund- und Handharmonika , er selbst jedoch war vom Automobil   fasziniert und bestaunte jedes , wenn sich eines auf der Strasse   zeigte.
Während des ersten Weltkrieges , lief die Produktion auf   Hochtouren , produziert wurden vor allem Kriegs- und   Feuerwehrgeräte. Nun , nach dem unerwarteten Kriegsende , war   man sehr froh , mit dem Lastkraftwagenbau eine aussichtsreiche   Abteilung zu haben.
Um   die Lücken in der Produktion zu schliessen , übernahm Magirus   von 1919 bis 1923 Aufträge zum Bau von Güterwaggons. Durch gute   Beziehungen zu den Behörden erhielt das Werk von verschiedenen   Eisenbahnverwaltungen Aufträge zum Bau von ca. 800 zweiachsigen   Güterwaggons. Als mit Beginn der Inflation Probleme bei der   Bezahlung aufkamen , wurde die Waggonproduktion eingestellt.
Ein   Lichtblick waren allerdings die Lastkraftwagen , das Geschäft   mit den für Kriegsverhältnisse gebauten Lastkraftwagen lief   aufgrund der Inflation und des allgemeinen Ausverkaufs   Deutschlands recht gut. Durch Einfuhrverbote waren die deutschen   Hersteller vor Konkurrenz aus dem Ausland abgesichert , durften   selbst jedoch ins Ausland verkaufen , soviel Sie nur konnten ,   und das war gut , es kamen Devisen herein.


Der Ursprung des Magirus Deutz Logos : Das Ulmer Münster mit dem "M" von Magirus.


  DEUTZ - die älteste Motorenfabrik der Welt.



Motorenfabrik DEUTZ im Jahr 1925.


Der wirtschaftliche Aufschwung mit der DEUTZ Übernahme. Zwei Suchende fanden zueinander , Verkaufsverhandlungen wurden eingeleitet , Kiehn und Magirus wurden vertreten durch den Fabrikanten Stäbler und die Humboldt - Deutzmotoren AG durch Direktor Gasper. So wurde die Fahrzeugfabrik MAGIRUS 1936 von Humboldt-Deutz übernommen. Daraus ergab sich der Markenname MAGIRUS - DEUTZ. Beziehungsweise die KHD AG ( Klöckner Humboldt Deutz AG als Firmennamen ab 1938 ).  
Doch die Kundschaft trug dazu bei ,  den Markennamen " MAGIRUS - DEUTZ " wieder einzuführen.  
Das Markenzeichen von MAGIRUS - DEUTZ zeigt die stilisierte   Silhouette des Ulmer Münsters in Kombination mit einem „M“ für   Magirus. Markentypisch waren luftgekühlte Dieselmotoren von KHD   ( Klöckner - Humboldt - Deutz AG ).


Werk Donautal


Nachdem   über eigene Dieselmotoren verfügt werden konnte   , mussten natürlich auch die Fahrgestelle den neuen Motoren   angepasst werden.


Magirus Dieselmotor   Z95D 12 Zylinder - Boxer - Unterflur 150 PS (1936)


Magirus Dieselmotor   S110 6 Zylinder mit 110 PS (1936)


Nach der   DEUTZ - Übernahme (1936) wurde die Fertigung der Magirus   Dieselmotoren nach und nach eingestellt. Der Magirus Dieselmotor   des Typs S110R wurde von 1936 bis 1945 bei der Firma Scania   Vabis in Lizenz hergestellt , der Motor bewährte sich sehr gut    und war damit der Urahn aller Scania - Dieselmotoren.


Technische Beschreibung der  luftgekühlten DEUTZ Dieselmotoren.

1942 erhielt die  Abteilung Motorenbau den Auftrag den Lkw Typ S3000 mit einem luftgekühlten Motor  auszurüsten. Dr.Ing. E. Flatz versuchte mit seiner Mannschaft , den vorhandenen  wassergekühlten Motor F4M513 auf Luftkühlung umzubauen , unter Verwendung  möglichst vieler bestehender Bauteile. Bereits dreieinhalb Monate später lief  der erste Motor mit einem guten Ergebnis auf dem Prüfstand , sogar die  Kühlflächen und der Gebläsedruck waren richtig berechnet und brauchte nicht mehr  geändert zu werden.
Von den  Auftraggebern war ein sicherer Betrieb von - 40   °C  bis +60   °C  gefordert. Nach einem weiteren Jahr war diese Forderung auch erfüllt , der Motor  konnte eingesetzt werden.
Im Vergleich mit  den wassergekühlten Verwandten bewährten sich die luftgekühlten Motoren sehr  gut. Auf einer Strecke von 120'000 km war der Verschleiss fast identisch , nach  dem zweiten Kolbenringsatz lag dieser in den Zylindern bei 0,28 bis 0,30 mm. Die  höheren Zylinderwandtemperaturen des luftgekühlten wurden durch die häufig zu  tief liegende Betriebstemperaturen des wassergekühlten ausgeglichen , wodurch  der Verschleiss im Gleichgewicht lag.  
1944 konstruierten die  Ingenieure bei KHD serienreife Motoren mit Luftkühlung , welche ab 1948 auch in  den hauseigenen Lastkraftwagen eingebaut wurden. Mit den Rundhaubern kamen  auch neue Motorenbaumuster , und schon nach einigen Monaten konnte Magirus -  Deutz ein umfangreiches Paket an luftgekühlten Motorenanbieten. Das Baukasten -  Programm bot die Möglichkeit , Motoren in allen Leistungsklassen und Formen (  Reihen - und V - Motoren ) zu verwirklichen , es war seinerzeit das Modernste ,  was der deutsche Markt bieten konnte.
Ab Februar 1943  wurde der Raupenschlepper Ost gebaut. Es war ein Vollketten-LKW , der von der  Firma Steyr-Daimler-Puch konstruiert worden war. Ab Herbst 1944 wurde der Typ  RSO/03 gebaut - das erste Serienfahrzeug mit dem Luftgekühlten Motor F4L514. Der  Einbau des Deutz-Motors brachte einige Umbauarbeiten mit sich, unter anderem  eine stärkere Kupplung , einen 24Volt Anlasser sowie eine verbesserte  Getriebeschaltung.

             

Waldschlepper RS 1500                                                                           Raupenschlepper Ost   "RSO/03" (1943)

Typbezeichnungen
Ausführung
Motortyp
PS   / kW   bei   U/min
Drehmoment  bei  U/min
Motor Bauart
Motorkühlung
Zylinder
Bohrung  x  Hub
Hubraum
Kraftübertragung
Gesamtlänge
Gesamtbreite
Gesamtgewicht
Nutzlast
Bauzeit
Produzierte   Stückzahl

RSO   / 03
Vollketten Lkw
Deutz   F4L514
65   / 48  bei  2'100/min
265   Nm  (27mkp)  bei 1'200/min
4-Takt-Wirbelkammer-Diesel
Luft
4   in Reihe
110    x  140  mm
5'320   ccm
4-Gang-Getriebe   / Kette
4'425   mm
1'990   mm
5'200   kg
1'700 kg
1944–1945
500


Die Luftkühlung war in der  Nachkriegszeit ihren wassergekühlten Rivalen weit überlegen. Die wassergekühlte  Fraktion  musste aufgrund von fehlenden Frostschutzmitteln bei Frostgefahr  und längerer Standzeit das Kühlwasser ablassen. Die Frostschutzmittel , die dann  auf den Markt kamen , waren noch keine Langzeitprodukte , sie wurden im Winter  eingefüllt und im Frühjahr wieder durch Wasser ersetzt. Beide Medien waren sehr  aggressiv zu den Materialien des Kühlkreislaufs , und Undichtigkeiten waren  keine Seltenheit. Bei Frost , besonders beim ersten der Saison , zerbarsten  Motorblöcke und flogen Froststopfen , weil vergessen wurde , Wasser abzulassen  bzw. Frostschutzmittel einzufüllen.



Prinzip der Luftkühlung:
Frischluft wird über das  Kühlgebläse angesaugt (blau) und tritt , nachdem sie die Wärme des Motors  aufgenommen hat , links und rechts unterhalb der Auspuffkrümmer wieder aus  (grün).


Der luftgekühlte Motor  ereichte viel schneller seine Betriebstemperatur und verhinderte damit , dass  aufgrund des hohen Schwefelanteils im Diesel schwefelhaltige Säuren an den zu  kalten Zylinderwandungen kondensierten und das Schmieröl zersetzten. Die  Schmierfähigkeit des Öls blieb daher länger erhalten und der Verschleiss durch  Korrosion an den Zylinderwänden war geringer. Die luftgekühlten Motoren waren  nach dem Baukastenprinzip aufgebaut , und alle Motoren einer Baureihe --    ob Reihen -  oder V - Motor , ob 3 -  oder 12 - Zylinder     --  unterschieden sich nur unwesentlich , fast alle Bauteile einer Baureihe  waren untereinander austauschbar. Zylinder , Zylinderköpfe , Kolben und  Pleuelstange waren gleich , die Lagerhaltung und auch die Instandsetzung war  dadurch sehr effektiv. Die Luft zur Kühlung des Motors wird über ein  Axialgebläse gefördert und mittels Luftführungsblechen durch die Kühlrippen der  Zylinderrohre und Zylinderköpfe durchgeleitet. Die Kühlluft nimmt die Wärme auf  und leitet diese ins Freie.

Im Geschäftsjahr 1953 / 54  lag der Produktionsanteil des wassergekühlten Motors in Ulm nur noch bei 2%.



Magirus Deutz Frontlenker  Prototyp 1955



Magirus Deutz Haubenwagen  Prototyp 1958



Aussen -  Planetengetriebe einer Magirus Deutz Hinterachse


Da sich in den  Hinterachsen der meisten Magirus - Deutz  Lastwagen Planetengetriebe  befanden,
kam man bis 1955 auf den Gedanken, die Fahrzeuge nach Planeten zu  benennen :
Jupiter , Saturn , Merkur und Uranus


Typbezeichnungen

Mercur   F
Mercur   112 F  /  125 F
Mercur   120 F
Mercur   126 F
Mercur   126 D 11

Saturn 145 F
Saturn   150 F
Saturn   150 D 13
Saturn   195 F
Saturn   200 F
Saturn   200 D 20

Jupiter   195 F
Jupiter   200 F

Pluto 200 F
Pluto 200 D 16
Pluto TE 200 F
Pluto   200 D 19 F


Bauzeit

1957–1958
1957–1958
1959–1963
1963–1964
1964–1965

1958–1961
1961–1964
1964–1965
1960–1961
1961-1964
1964-1965

1960-1961
1961

1961-1964
1964-1965
1963-1964
1964-1965



Frontlenker Fahrerhaus 1962


Magirus Deutz Jupiter 200FL 1964



Magirus Deutz Saturn 145 der Spedition Dachser



Magirus Deutz Saturn 195 FS 6x4 mit Kögel Kippauflieger



Magirus Deutz Saturn 150 der Deutschen Bundesbahn

Typbezeichnungen

S 3500
S 3500 Pluto

Sirius
Sirius 90

S 4500
S 4500 Mercur
S 4500 / Mercur
Mercur 112 / 125
Mercur 120

S 5500 Saturn
Saturn 145

S6000
S6500
S 7500 Jupiter
Bauzeit

1952-1955
1955-1957

1957-1964
1959-1964

1953-1955
1955-1962
1956-1957
1957-1958
1958-1963

1956-1958
1958-1961

1950-1951
1951-1955
1955-1959



Magirus Deutz Saturn mit IBAG TM 3/6 Mischer


Magirus Deutz S 6500 mit Scherenhubkipper von TeHa



Magirus deutz Jupiter S 7500 Sattelzug


Magirus Deutz Rundhauber Generation Innenraum Zeichnung

© www.magirus-deutz.ch - Reto Bachmann
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